Usedom und Zinnowitz im Wandel der Zeit

Die Insel Usedom entstand nach der Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren. Die Schmelzwässer flossen in Richtung Süden und bildeten das heutige Stettiner Haff. Der Ostseespiegel stieg an, dadurch kam es zum Strandversatz, dieser bildet heute den Sandstrand.

Mehr als 500 Siedlungsfunde aus der Zeit des Jungsteinzeit deuten auf eine hohe Besiedlung der Insel Usedom hin. In der Bronzezeit war Usedom auf Grund seiner Lage am Oderweg, eine wichtige Nord-Südliche Handelsroute vom Mittelmeer nach Skandinavien. Als nördlichster Punkt einer Gruppe von Befestigungsanlagen entlang der Oder ist der Burgwall auf dem Golm das bedeutendste Bodendenkmal aus der Übergangszeit von der Jungbronzezeit in die frühe Eisenzeit.

Im Altertum war Bernstein ein begehrtes Zahlungsmittel. Die Inselbewohner tauschten diesen gegen Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Bronze.

Zur Zeit der Völkerwanderung kamen die Westslawen auf die Insel und verdrängten die germanischen Stämme. Die meisten Ortsnamen stammen aus dieser Zeit. Seit dem 10. Jahrhundert gab es in „Urbs Osna“ nahe der heutigen Stadt Usedom eine Burgsiedlung. Diese wurde 1115/1119 von den Dänen zerstört. Der Ort wird auch im Zusammenhang mit der Eroberung des Landstriches durch den ersten Herzog von Pommern, Wartislaw I. gebracht. Der Herzog veranlasste die Missionierung durch den Bischof Otto von Bamberg, der am Pfingstsonntag 1128 die wendischen Großen auf dem Burgwall zusammen kommen ließ und diese dann zum Christentum bekehrte. An diesen Akt erinnert auf dem Burgwall der Stadt Usedom ein 1928 errichtetes Kreuz.

Nach dem dreißigjährigen Krieg fiel die Insel Usedom an die Schweden und wurde ein Teil von Schwedisch-Pommern. Das Gebiet blieb jedoch Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, da der König von Schweden nur als Herzog von Pommern herrschte. Auf der Insel Usedom wurden in der Zeit von 1648 – 1720 mehrfach Kämpfe zwischen Preußen und Schweden geführt, 1713 viel die Insel dann endgültig an Preußen. Da jedoch der Schifffahrtsweg über den Peenestrom vorbei an Wolgast nach Stettin immer noch von den Schweden kontrolliert wurde, beschloss man Anfang des 18. Jahrhunderts den Ausbau der bis dahin schwer passierbaren Swine. Nun waren die Preußen unabhängig. 1818 wurde der Landkreis Usedom-Wollin mit der Kreisstadt Swinemünde bei den preußischen Verwaltungsreformen gebildet. 1824/1825 begann auf der Insel Usedom der Badebetrieb.

Auch der zweite Weltkrieg ging an der Insel nicht spurlos vorbei. In Peenemünde entstand ein Testgelände für Raketen, in Swinemünde befand sich ein Marinestützpunkt. 1943-1945 wurden diese Anlagen durch die Royal Air Force und United States Army Air Force bombadiert.

Mit der Festlegung der deutsch-polnischen Grenze auf der Potsdamer Konferenz wurde auch die Unterstellung Swinemündes unter polnischer Verwaltung beschlossen. Am 06.10.1945 erfolgte die Übergabe Wollin`s. Jetzt gab es nur noch den Landkreis Usedom. Durch die Verwaltungsreform im Sommer 1952 entstand aus dem Kreis Usedom und Teilen des angrenzenden Festlandes der Kreis Wolgast. 1994 wurde der Kreis Wolgast mit dem Kreis Anklam und Greifswald zum Landkreis Ostvorpommern zusammengeschlossen. Zum Landkreis Vorpommern-Greifswald gehört die Insel Usedom seit der Kreisgebietsreform 2011.

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1309 wurde die Siedlung „Tzys“ erstmals in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Krummin erwähnt. Die Domäne ging im Zuge der Reformation 1563 zurück in den Besitz des Herzogs als das Kloster aufgelöst wurde.

1638 wurde das Dorf im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Zur Zeit als Usedom zu Schwedisch-Pommern gehörte wurde „Tzys“ in „Zitz“ geändert. 1720 kam die Domäne Zitz in preußische Hände und wurde 1751 in Zinnowitz umbenannt. Das älteste Gebäude in Zinnowitz entstand 1756. Es war das Domänenhaus, dass sich in der Nähe der Abzweigung B111 nach Neuendorf befindet. Heute ist das Haus ein Mehrfamilien-Wohnhaus. In der Preußischen Reform wurde die Domäne Zinnowitz neu gestaltet und es entstand das Dorf Zinnowitz. Infolge des Napoleonischen Krieges war der preußische Staat in Finanznöte geraten und musste das 1.800 Morgen große Land am 16.09.1811 für 14.300 Taler an den Kommerzienrat Friedrich Wilhelm Krause, Kaufmann und Reeder aus Swinemünde, verkaufen. Dieser bemühte sich jedoch vergeblich um einen Pächter für die Domäne und verkaufte die Domäne in 29 Parzellen für insgesamt 18.000 Taler am 11.06.1818 an Kolonisten und Fischer. 1815 kam Zinnowitz durch die Verwaltungsreform zur preußischen Provinz Pommern und gehörte 1818-1945 zum Landkreis Usedom-Wollin.

Am 16.06.1851 wurde in Zinnowitz der Badebetrieb offiziell erlaubt. 1854 entstand das erste Hotel in Zinnowitz, indem das Gutshaus „Wigwam“ einen Anbau erhielt. Es entstanden Damen- und Herrenbäder direkt in der Brandung. Auf Holzpfeilern errichtete Plattformen mit 30 bis 60 Umkleidekabinen gelangte man über eine Treppe ins Wasser. Das Damenbad befand sich an der östlichen Seite und das Herrenbad an der westlichen Seite des Strandes. Dazwischen wurde 1902 ein Familienbad eingerichtet. Das Baden in der Ostsee außerhalb der Bäder war nicht gestattet, ebenso durfte sich während der Öffnungszeiten des Damenbades kein Mann im Umkreis von 75 m zum Damenbad aufhalten. Zuwiderhandlungen wurden mit Geldstrafen bis zu 9 Mark geahndet.

Die wirtschaftliche Lage verbesserte sich mit Errichtung des Seebades deutlich. In nur 41 Jahren (1864-1905) stieg die Einwohnerzahl von 356 auf 1267, es wurden 200 neue Wohnhäuser gebaut und die Steuereinnahmen stiegen von 500 Mark auf knapp 18.000 Mark. Schon in dieser Zeit begannen Investoren aus Berlin und ganz Deutschland mit dem Bau von Villen und Gasthäusern. 1863 wurde die Bahnstrecke Züssow-Wolgast Fähre erbaut. Nun gelangten die Gäste noch schneller an die Ostsee, mit der Fähre über die Peene und weiter mit der Postkutsche konnten die Urlauber Zinnowitz gut erreichen.

1904 wurde die erste Seebrücke aus Holz errichtet, die wegen mangelnder Pflege nach dem ersten Weltkrieg verfiel. Schon zu dieser Zeit war Zinnowitz ein begehrtes Urlaubsziel, so waren 1932 10.000 bis 12.000 Badegäste im Ostseebad. Die Einwohnerzahl stieg bis 1931 auf 2196.

1938 musste der Tourismusbetrieb unterbrochen werden, da Zinnowitz zum Sperrgebiet der neugegründeten Herresversuchsanstalt Peenemünde gehörte.

Ab 1953 wurden in der Aktion Rose zahlreiche Hotels, Ferienheime und Villen zwangsenteignet und der SDGA Wismut (Sowjetisch-Deutsche-Aktiengesellschaft) übergeben. Seit dieser Zeit wurde in Zinnowitz wieder gebaut. Mit Mitteln der Gemeinde und der Wismut entstand die Kanalisation, eine Schwimmhalle und neue und rekonstruierte Ferienheime. Mitte der 1970er Jahre entstand der „Rote Oktober“ (heute Hotel Baltic), das größte Hotel auf der Insel Usedom für die Arbeiter der Wismut AG.

Nach der Wende begann im Zuge der Reprivatisierung die Neugestaltung des Ortes. Die alten Villen wurden saniert und zieren heute das Ortsbild. 1993 wurde die neugestaltete Strandpromenade übergeben und zeitgleich wurde mit dem Bau einer neuen Seebrücke begonnen. Auf der Freilichtbühne fanden 1997 die ersten Vineta-Festspiele statt und 2006 wurde mit dem Betrieb einer Tauchgondel am Ende der Seebrücke begonnen.

Quelle:wikipedia